Wichtige Neuigkeiten
Eine Stellungnahme von Rechtsanwalt Markolf Schmidt zur Fleesensee GmbH & Co. Entwicklungs KG können Sie sich hier downloaden.
Hier noch ein sehr interessanter Link zur Website einer
Aktionsgemeinschaft. Die Thematik dürfte den meisten
Vereinsmitgliedern bekannt sein.
Stornoreserve?!
Die Stornoreserve
ist noch immer das Geheimnis vieler Vertriebler, Unternehmen
und… sogar Juristen. Nur wer glaubt, sie verstanden zu haben,
kann sich das Lesen der nächsten Zeilen sparen.
Fast alle Struktur- und Versicherungsgesellschaften
arbeiten mit der Stornoreserve - eine Art Sicherheit oder Rücklage
für schlechte Zeiten. Aber Vorsicht ! Sie ist keine Kaution oder
ein Anspruch. Ich versuche die Stornoreserve eher als eine Art
“Hoffnungskonto” zu beschreiben. Einen Auszahlungsanspruch
auf die Stornoreserve hat man nicht. Man hat nur die Hoffnung, die
Stonroreserve nach und nach zur Auszahlung zu erhalten, wenn die
einzelnen Verträge sicher wurden.
Ein Beispiel : Der Strukturmitarbeiter hat eine
Lebensversicherung (LV) vermittelt und könnte einen
Provisionsanspruch von 1000€ erwerben. Warum könnte? Weil die
LV oft erst nach einer Haftungszeit von 5 Jahren als sicher gilt.
Von diesen 1000€ erhält der Mitarbeiter
85% als Vorschuss (so bei AWD und DVAG gängige Praxis). 15%, also
150€ hier, werden gedanklich in ein Stornokonto gegeben, der sog.
Stornoreserve. Achtung : Die 150€ erfolgen nicht in einer Zahlung,
sondern werden nur als eine Art “Gegenkonto” festgehalten,
um eine grobe Übersicht zu behalten.
Unser Idealfall : Überlebt die LV die
Haftungszeit von 5 Jahren, erhält der Mitarbeiter die restlichen
150€ aus der Stornoreserve.
Unser Praxisfall : Wird der Vertrag z.B. nach 2
Jahren aus irgendeinem Grund storniert, hat der Vermittler einen
Anspruch auf 2/5 dessen, was er sonst nach 5 Jahren insgesamt bekommen
hätte (2/5 weil der Vertag statt der 5 Jahre nur 2 Jahre geschafft
hat). Er hat dann einen Anspruch von 400 € (= 2/5 von 1000€).
Da er schon 850€ als Vorschuss erhalten hat,
muss er 450 € wieder zurück zahlen ( 850 € Vorschuss
abzgl. verdienter 400€ = 450€ ).
Er kann natürlich nicht mit der Stornoreserve
aufrechnen oder verlangen, dass dies davon abgezogen wird. In der
Stornoresreve werden die 150€ einfach wieder
“rausgeschrieben”. Das Hoffnungskonto verringert sich um
150€.
Gerichtsurteil: AWD darf sich nicht mehr „ unabhängig“ nennen
NDR Info exklusiv
Erneut Datenpanne bei Finanzdienstleister AWD
Von Ilka Steinhausen und Arne Meyer, NDR Info
Beim Finanzdienstleister AWD sind erneut sensible Kundendaten öffentlich geworden.
Das Datenleck beim Finanzdienstleister AWD ist
offenbar deutlich größer als bislang angenommen. Nachdem NDR
Info bereits im vergangenen Herbst 27.000 sensible Kundendaten aus dem
Unternehmens-Bestand vorgelegen haben, haben NDR Info Reporter jetzt
noch einmal Kenntnis von weiteren 12.000 Personendatensätzen
erhalten. Darin aufgelistet sind sowohl persönliche Details
über Kundenverträge als auch Angaben über ehemalige und
noch aktive AWD-Mitarbeiter. Die neuen Daten beinhalten zudem bei
mehreren Hundert Kunden die Kontoverbindungen.
AWD: "Es gab keinen Datenschutzverstoß"
Der Leiter des Instituts für Rechtsinformatik
an der Universität Hannover, Nikolaus Forgó, sagte, dass
die gebotene Sorgfalt bei AWD offenbar außer Acht gelassen wurde.
Dies gelte umso mehr, da unterschiedliche Datenpakete in so kurzer Zeit
aufgetaucht seien. Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte
wird die neuen Erkenntnisse in das bereits laufende
Ermittlungsverfahren gegen AWD einfließen lassen. Der
Finanzdienstleister aus Hannover bestreitet die Echtheit der Daten
nicht. AWD teilte NDR Info mit, dass es nach derzeitigen Erkenntnissen
aber keinen Datenschutzverstoß gegeben habe. IT-Experten
hätten hohe Sicherheitsstandards bei AWD festgestellt.
Informationen über Kunden und AWD-Mitarbeiter
Die Kundendatensätze enthalten - wie schon bei
der ersten Datenpanne im vergangenen Oktober - persönliche
Angaben, Telefonnummern, Berufsbezeichnung und Einzelheiten zu den mit
AWD abgeschlossenen Versicherungsverträgen. Diese haben
größtenteils noch eine lange Laufzeit. Auch das Volumen der
Verträge ist aufgelistet, zum Beispiel wie hoch eine
Lebensversicherung ist. Bei mehreren Hundert Kunden sind darüber
hinaus auch die Bankverbindungen angegeben. Telefonische Stichproben
von NDR Info bei Kunden haben ergeben, dass es sich um echte Daten
handelt. Die Daten der AWD-Mitarbeiter enthalten neben den
persönlichen Angaben auch Details der Versicherungs-Verträge.
Darüber hinaus gibt es Informationen zum Arbeitsverhältnis,
zum Beispiel, ob ein Mitarbeiter ein Seminar bestanden hat oder nicht
oder ob eine fristlose Kündigung erfolgt ist.
"Das ist etwas, was jeden Datenschützer alarmieren muss"
AWD teilte dem NDR mit, dass es keinen
unberechtigten Datenzugriff beim Finanzdienstleister gegeben habe.
Vielmehr seien die Daten veraltet und offenbar mit krimineller Energie
weitergegeben worden. Dies liege außerhalb des Einflussbereichs
von AWD. Der Rechtsinformatiker und Datenschutzexperte Forgó
sagte, dass sich Unternehmen sehr wohl gegen kriminelle Energien
schützen könnten. "Das ist das schlimmste für ein
Unternehmen, wenn man ein Glaubwürdigkeitsproblem durch
Sicherheitsmängel hat", sagte Forgó NDR Info. Daher
müsse ein Unternehmen alles für einen systematischen Schutz
tun.
Michael Knaps, Sprecher des niedersächsischen
Datenschutzbeauftragten, zeigte sich überrascht: "Das ist etwas,
was jeden Datenschützer alarmieren muss." Die Behörde
ermittelt seit Herbst vergangenen Jahres gegen den Finanzdienstleister.
Datenleck offenbar nicht ernst genommen
Dass AWD das erneute Datenleck offenbar nicht ganz
ernst nimmt, zeigt ein Blick auf die Internetseite des Unternehmens am
Montag. Dort hat der Finanzdienstleister eine Narrenkappe abgebildet
und spricht vom Narrenradio Datenschutz, gemeint ist NDR Info. Der
Datenschutzbeauftragte von Schleswig Holstein, Thilo Weichert,
kritisiert dies: AWD sollte die Daten seiner Kunden dringend
schützen, aber nicht die eigene Datenpanne ins Lächerliche
ziehen, so Weichert.
Autorin/Autor: Ilka Steinhausen / Arne Meyer, NDR Info
Stand: 08.02.2010 12:10
Kommentar
| 16.10.2009 18:30 Uhr
Löchrig wie ein
Schweizer Käse
Kommentar
von Ulrich Czisla
Beim Versicherungskonzern AWD ist offenbar
geschlampt worden. Die Datenpanne dort ist zugleich aber kein
Einzelfall. Sie reiht sich ein in eine ganze Reihe ähnlicher
Vorkommnisse bei deutschen Großunternehmen. Und es ist schon
jetzt sicher: Es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass
Hunderttausende oder gar Millionen Kundendaten abhanden kommen. Denn
verhindern könnten das nur tiefgreifende
Sicherheitsvorkehrungen in den Konzernen. Doch die gibt es entweder
überhaupt nicht oder die Abwehrmaßnahmen sind
löchrig wie ein Schweizer Käse.
Technisch
meistens auf dem neuesten Stand
Wenn es um den technischen Vorgang des
Speicherns und Verwaltens von Daten geht, sind die meisten Konzerne auf
dem letzten Stand: Computer, Festplatten und Software - all
das wird wie selbstverständlich regelmäßig
erneuert und 'upgedated'. Nur wenn es um die Sicherheit von Kundendaten
geht, verhalten sich viele Verantwortliche immer noch so, als
stünden die entsprechenden Informationen in langen
Aktenordner-Reihen in den Kellern des Archivs, wo sie nur
mühevoll mit viel Schreibarbeit und Kopiererei zu entwenden
wären.
Doch das war gestern: Heute genügt
ein kleiner USB-Stick, eine leere CD oder ein E-Mail-Anschluss am
Arbeitsplatz, um eine ganze Unternehmens-Datenbank innerhalb von
Sekunden zu kopieren und sich damit - salopp gesagt - unter den Nagel
zu reißen. Das Beste an diesem Datendiebstahl ist: Es merkt
noch nicht einmal jemand, - die Original-Informationen auf dem
betroffenen Firmenrechner werden ja nicht verändert.
Leidtragende
sind die Kunden
Häufig aber ist noch nicht einmal ein
böswilliger Mitarbeiter für den Verlust der Daten
notwendig. Denn die Konzerne geben diese Informationen freiwillig
heraus. Es werden externe Subunternehmer - etwa Call-Center - mit der
Kundenpflege und -betreuung beauftragt, die wiederum engagieren dritte
Firmen, die mit noch anderen zusammenarbeiten. Vielleicht sitzen ein
paar dieser Subunternehmen auch im Ausland - wie jüngst bei
der Telekom. Kurz: Eine Kontrolle, wann welche Daten wo landen, gibt es
nicht.
Leidtragende dieser Sorglosigkeit sind
allerdings in erster Linie nicht die schlampig-arbeitenden Konzerne,
sondern vor allem ihre Kunden. Denn einmal in die Welt gesetzt, lassen
sich die Daten mit all ihren vertraulichen Details nicht wieder
einfangen. Sie werden kopiert, zerteilt, verkauft und neu
zusammengesetzt - je nachdem, welche Interessen und Absichten die
Käufer der Informationen haben. Nach seriösen
Schätzungen sind Unternehmen in Deutschland in den vergangenen
Jahren die Datensätze von etwa 30 Millionen
Bundesbürgern abhanden gekommen - mit diesen Informationen
wird im Internet ein schwunghafter Handel betrieben.
Krokodilstränen,
aber keine konkreten Maßnahmen zur Verhinderung
Das Schlimme ist: Wehren kann sich der
Einzelne gegen diesen Missbrauch seiner Daten kaum. Wenn für
die Zukunft etwas verändert werden soll, dann muss verhindert
werden, dass Konzerne mit ihren Kunden-Informationen allzu sorglos
umgehen. Durch machtvolle Datenschutzbeauftragte in den Unternehmen,
durch Sicherungsmaßnahmen an jedem einzelnen Arbeitsplatz und
vor allem durch hohe Bußgelder gegen Firmen, deren
Kunden-Daten-Sätze irgendwo auftauchen, wo sie nicht
hingehören. Wenn die Politik sich darüber hinaus noch
entschließen könnte, den Krokodilstränen
nach jedem neuen Datenskandal auch mal konkrete Maßnahmen
folgen zu lassen - etwa durch eine bessere Ausstattung der
Landesdatenschutzbeauftragten - dann wären wir auf dem
richtigen Weg.
NDR
Info exklusiv
Kundendaten
bei Finanzdienstleister AWD entwendet
Von Sofie Donges, NDR Info
Der Finanzdienstleister AWD wird von einem Datenskandal
erschüttert.
Wie
viel Geld haben Sie gerade in einen Aktienfonds gesteckt? Das
erzählen Sie bestimmt nicht jedem. Wohl auch nicht, wie hoch
Ihre Lebensversicherung ist. NDR Info sind solche Daten zugespielt
worden: 27.000 Datensätze des Finanzdienstleisters AWD aus
Hannover - Namen, Adressen, Geburtstage und Berufsbezeichnungen von
Kunden. Von der einfachen Hausratversicherung bis hin zu Details
über Geldanlagen - alles dabei. Insgesamt über 60.000
Vertragsangaben mit AWD liegen NDR Info vor. Wann der Vertrag
abgeschlossen wurde, wie lange er läuft und wie viel der Kunde
zahlt - alles aufgeschlüsselt in einer langen Excel-Tabelle.
Auch wenn die Daten einige Jahre alt sind, ein
großer Teil der Verträge läuft noch - und
genau das macht den Datensatz interessant. "Da sind Versicherungssummen
drin, Ablaufdaten. Jetzt weiß man, am so- und sovielten
September oder Dezember eines Jahres läuft ein Vertrag aus und
dann könnte man gezielt dort anrufen und sagen: Sie kriegen da
jetzt Geld ausgezahlt, was wollen Sie damit machen, wollen Sie es neu
anlegen", sagte der Informant, der nicht erkannt werden
möchte, zu NDR Info.
AWD
schaltet Staatsanwaltschaft ein
AWD hat bestätigt, dass es sich um
Daten seiner Kunden handelt. Das Unternehmen hat nach Angaben eines
Sprechers sofort die Staatsanwaltschaft Hannover eingeschaltet und
Anzeige gegen unbekannt gestellt. Zu weiteren Angaben sah sich der
Konzern noch nicht in der Lage. Aus dem näheren Umfeld von AWD
heißt es, dass ein einzelner, lokaler Berater kaum Zugriff
auf eine solch große Anzahl von Kundenangaben haben
könne. Das sei nur für hochrangige Mitarbeiter
möglich gewesen.
"Die Daten sind mir von einem
AWD-Landesdirektor gegeben worden. Der Zweck war einfach, Kundenakquise
daraus zu betreiben. Diese Daten wurden als Basis genommen um Kunden zu
werben - auch für Versicherungen, Kapitalanlagen und so
weiter", erklärte der Informant.
Kunde:
"Das ist Geheimnisverrat"
Die Kundendaten stammen fast alle aus
Nordrhein-Westfalen, aber es gibt auch einige norddeutsche Adressen -
zum Beispiel die von Christof Hardmeier aus Greifswald. Zusammen mit
seiner Frau hat er zehn Verträge bei dem Finanzdienstleister
abgeschlossen - darunter auch zwei Lebensversicherungen. "Das ist
heftig, das ist auf Deutsch gesagt eine Sauerei, dass hier Daten von
meiner Lebensversicherung und von der Lebensversicherung meiner Frau
öffentlich zugänglich sind und mir hier vom
Norddeutschen Rundfunk vorgelegt werden. Der Datenschutz ist hier grob
verletzt, das ist Geheimnisverrat. Und das ist ein Vertrauensverlust in
die Finanzwirtschaft", sagte Hardmeier.
Besonders ärgerlich für die
betroffenen Kunden: Sind Daten einmal im Umlauf, kann man sie nicht
mehr zurückholen. Sie verbreiten sich völlig
unkontrolliert. Der Landesdatenschutzbeauftragte von Niedersachsen,
Joachim Wahlbrink, räumte ein, dass Kunden kaum
Möglichkeit hätten, sich dagegen noch zu wehren.
Sollte es sich bestätigen, dass die Daten direkt aus der Firma
kamen und nicht etwa durch ein Callcenter in Umlauf gebracht wurden,
dann sei dieser Fall von besonderer Bedeutung.
Edathy:
"Datenschutz nicht auf die leichte Schulter nehmen"
Der Vorsitzende des
Bundestags-Innenausschusses, der SPD-Politiker Sebastian Edathy,
betonte im Gespräch mit NDR Info, jedes Unternehmen, das
sensible Daten besitze, müsse entsprechend verantwortungsvoll
damit umgehen. Er könne nur an die Wirtschaft appellieren,
Datenschutz nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Edathy forderte
die AWD-Spitze auf, aus dem jüngsten Vorfall entsprechende
Konsequenzen zu ziehen.
Autorin/Autor: Sofie Donges, NDR Info
Stand: 16.10.2009 01:00
VKI gegen AWD - VKI-Vorschlag zur
Entlastung der Gerichte
09.12.2009
VKI
nimmt Abtretungen der TeilnehmerInnen an der Sammelklagen-Aktion an und
bietet AWD Muster-Sammelklage bei Verjährungsverzicht an.
Nachdem das Handelsgericht Wien die erste
Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegen
den AWD für zulässig erklärt hat, hat der
VKI – in Zusammenarbeit mit dem deutschen Prozessfinanzierer
FORIS AG und Rechtsanwalt Dr. Alexander Klauser – folgende
nächste Schritte gesetzt:
1. Der VKI hat die Abtretungen von
Schadenersatzansprüchen aller TeilnehmerInnen an der
Sammelklagen-Aktion – deren Fälle geeignet sind
– fristgerecht angenommen. Diese Ansprüche werden
nun vom VKI betrieben und notfalls auch gerichtlich eingeklagt.
2. Der VKI hat weiters den AWD aufgefordert,
durch einen Verjährungsverzicht in den nicht eingeklagten
Fällen eine musterhafte Klärung des Vorwurfes der
„systematischen Fehlberatung“ anhand der bereits
eingeklagten Fälle zu ermöglichen.
„Statt das Handelsgericht Wien durch
massenhafte Verfahren zu überlasten und allenfalls zu
lähmen, können unsere Vorwürfe durchaus
anhand der anhängigen Musterfälle gerichtlich
geklärt werden. Wenn dem AWD eine Klärung ernst ist,
dann soll er bis 10. Jänner 2010 einen entsprechenden
Verjährungsverzicht abgeben“, sagt Dr. Peter Kolba,
Leiter des Bereiches Recht im VKI.
3. Sollte der AWD bis 10. Jänner 2010
nicht zu einem Verjährungsverzicht bereit sein, dann werden
alle Schadensfälle fristgerecht bis Ende Jänner 2010
gerichtlich geltend gemacht.
„Die Sammelklagen-Aktion
läuft ganz nach Plan“, resümiert Dr. Kolba.
„Keine der TeilnehmerInnen muss fürchten, dass dem
AWD eine Flucht in die Verjährung gelingen wird.“
VKI: Drei weitere Sammelklagen
gegen AWD
28.01.2010
Der
Verein für Konsumenteninformation (VKI) bringt - mit
Unterstützung des deutschen Prozessfinanzierers FORIS AG- drei
weitere Sammelklagen gegen den AWD ein. Damit hat der VKI nun
sämtliche Ansprüche von rund 2.500
geschädigten Immofinanz- und Immoeast-AnlegerInnen gerichtlich
geltend gemacht. Gesamtstreitwert: fast 40 Millionen Euro.
„Mit unseren Sammelklagen schützen wir die
Geschädigten vor der AWD Verjährungsfalle und sichern
ihre Ansprüche“, so VKI-Chefjurist Dr. Peter Kolba.
Parallel dazu führt der VKI Musterprozesse.
Mit den nunmehr eingebrachten Sammelklagen sind folgende Verfahren des
VKI gegen den AWD bei Gerichten anhängig:
- Fünf Sammelklagen für 2.500
Geschädigte mit einem Gesamtstreitwert von fast 40 Millionen
Euro
- Acht Musterprozesse für 12 Geschädigte mit einem
Gesamtstreitwert von 328.563,64 Euro
- Eine Verbandsklage gegen gesetzwidrige
Tatsachenbestätigungen in den Gesprächsprotokollen,
die dem AWD zum Nachweis der angeblich korrekten Beratungen dienen.
Eine
Reihe von Teilnehmern an den beiden ersten Sammelklagen gegen den AWD
– wegen „systematischer Fehlberatung“ durch den AWD
im Zusammenhang mit dem Erwerb von Immofinanzaktien – haben dem
VKI mitgeteilt, von der Depotbank Constantia Privatbank die
Kündigung ihrer Depots mitgeteilt bekommen zu haben.
Begründung: Der Rechtsstreit gegen den AWD, dem die Constantia auf
Seiten des AWD als Nebenintervenientin beigetreten ist. Die gegen die
Constantia erhobenen Vorwürfe würden eine Kündigung aus
wichtigem Grund rechtfertigen.
„Die
Vorwürfe richten sich in erster Linie gegen den AWD und die
Kündigungen von Depots durch die Constantia Privatbank sind
unseres Erachtens rechtswidrig; sollten den Kunden aus der
Depotübertragung auf eine Bank des eigenen Vertrauens Kosten
entstehen, dann weder diese aus dem Titel des Schadenersatzes gegen die
Constantia Privatbank geltend zu machen sein,“ sagt Dr. Peter
Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI. „Wir raten aber allen
Betroffenen, dennoch die Aktien auf ein Depot ihrer Hausbank zu
übertragen.“
Der
AWD verkündet in den anhängigen Verfahren jeweils der
Constantia Privatbank den Streit und diese tritt willig in die
Verfahren als Nebenintervenient ein; mit dem Effekt, dass sich das
Kostenrisiko der Verfahren verteuert. „Das scheint auch der Zweck
des Zusammenspiels der beiden Vertriebspartner AWD und Constantia zu
sein: Das Kostenrisiko erhöhen und hoffen, dass sich weniger zur
Klage bereitfinden. In der Sammelklagen-Aktion des VKI und der FORIS AG
geht diese Strategie aber nicht auf: FORIS finanziert die Sammelklagen,
auch wenn das Kostenrisiko durch Nebeninterventionen steigt“,
informiert Dr. Peter Kolba die Teilnehmer an der Aktion.
AWD "sammelt" Klagen über 40
Mio. Euro
Konsumentenschützer
reichen diese Woche drei weitere Klagen ein. Dem Finanzdienstleister
wird Fehlberatung vorgeworfen.
Der
juristische Streit zwischen dem Verein für
Konsumenteninformation (VKI) und dem Finanzdienstleister AWD hat einen
neuen Höhepunkt erreicht. Noch diese Woche werden die
Konsumentenschützer drei weitere Sammelklagen gegen das
Beratungsunternehmen bei Gericht einreichen. Der Vorwurf lautet auf
systematische Fehlberatung beim Investieren in Immofinanz- und
Immoeast-Aktien. Der VKI vertritt damit insgesamt 2535
Geschädigte mit einem Gesamtstreitwert von 40 Millionen Euro.
Bereits im Vorjahr hat der VKI zwei Sammelklagen eingereicht. In einem
Fall hat das Handelsgericht Wien die Zulässigkeit bereits
zugestanden, der AWD hat dagegen Einspruch eingelegt. Mit den
übrigen Sammelklagen will der VKI einer Verjährung
der Ansprüche zuvorkommen. "Der AWD hat einen
Verjährungsverzicht verweigert", bedauert VKI-Chefjurist Peter
Kolba.
Konter
Der
AWD kontert, dass dies nicht möglich gewesen sei, da dem
Dienstleister die Anleger nicht namentlich bekannt seien. Zudem weist
AWD den Vorwurf der systematischen Fehlberatung zurück.
Neben dem VKI gibt es noch rund 1500 Privatklagen sowie rund 6000
Anleger, die vom Prozessfinanzierer Advofin vertreten werden. Damit
entwickelt sich die Causa zum größten Verfahren in
der zweiten Republik.